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Landwirtschaft

Rinderhaltung

Rinderhaltung in Deutschland

Rinder sind, ökonomisch gesehen, die wichtigsten Nutztiere in der deutschen Landwirtschaft. Etwa in jedem zweiten landwirtschaftlichen Betrieb werden Rinder gehalten, um Milch, Fleisch oder beides zu erzeugen. Neben Fleisch und Milch liefern Rinder, Felle und Leder sowie Mist, Jauch und Gülle, die in der Landwirtschaft als natürliches Düngemittel eingesetzt werden können.

Welche Bedeutung nimmt die Rinderhaltung in Deutschland ein?

Rund ein Viertel des Produktionswertes der deutschen Landwirtschaft geht auf die Rinderhaltung zurück. Nach vorläufigen Angaben der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung liegt der Produktionswert für das Jahr 2021 bei rund 14,3 Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel davon entfielen dabei auf die Milch.

Deutschland ist der größte Milcherzeuger der EU und nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Rind- und Kalbfleisch. Im Jahr 2020 erzeugten die Milchkühe in Deutschland 33.165 Tausend Tonnen Milch, was gut ein Fünftel der in der EU produzierten Menge entspricht. Die durchschnittliche jährliche Milchleistung je Kuh lag 2020 in Deutschland bei 8.457 Tausend Tonnen.

Im gleichen Zeitraum lag die Bruttoerzeugung von Rind- und Kalbfleisch in Deutschland bei 1.090 Tausend Tonnen Schlachtgewicht und somit gut 345 Tausend Tonnen weniger im Vergleich zu Frankreich. Der durchschnittliche Verzehr von Rind- und Kalbfleisch liegt bei 9,81 kg.

Weitere Angaben zum Fleischverbrauch finden Sie auf der Seite: Versorgungsbilanz Fleisch.

Rinderbestand in Deutschland

Deutschland weist einen Rinderbestand von 11,3 Millionen Tieren auf. Der Milchkuhbestand liegt bei etwa 3,9 Millionen Tieren. Auf 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche kommen so statistisch gesehen 68 Rinder.

Mit rund drei Millionen Tieren leben die meisten Rinder in Bayern. Danach folgt Niedersachsen mit etwa 2,4 Millionen Tieren. Damit halten beide Bundesländer zusammen fast die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Rinder. Weitere hohe Bestandszahlen verzeichnen Nordrhein-Westfalen (1,3 Millionen Tiere) und Schleswig-Holstein (985 Tausend Tiere).

Der Strukturwandel macht sich auch in der Rinderhaltung bemerkbar. Aktuell gibt es in Deutschland 108 Tausend Betriebe mit Rinderhaltung. Damit ist die Anzahl der Betriebe zum Vergleichsjahr 2010 um 25 Prozent gesunken. Der Rückgang der Betriebe führt zu einer steigenden Herdengröße: Statistisch betrachtet hält ein Rinderbetrieb 86,5 Tiere. Über zwei Drittel der Rinde leben in Betrieben, die mindestens 100 Tiere halten. Bei Betrieben mit Milchkuhhaltung liegt die durchschnittliche Herdengröße bei 62 Tieren.

Rinderrassen in Deutschland

Rinderrassen werden nach ihrer Nutzungsrichtung unterschieden. Bei Milchnutzungsrassen liegt der Schwerpunkt der Zucht auf einer hohen Milchleistung. Ihr Fleischanteil ist dagegen sehr gering.

Ein typischer Vertreter einer Milchnutzungsrasse ist das Deutsche Holstein (schwarz- und rotbunt). Im Jahr 2020 waren in Deutschland 41 Prozent aller gehaltenen Tiere dieser Rassen zugehörig. Neben den milchbetonten Rinderrassen gibt es noch die Fleischnutzungsrassen sowie Doppelnutzungsrassen.

Typische Fleischnutzungsrassen sind Limousin, Charolais und Deutscher Angus. Zu den Doppelnutzungsrassen zählen unter anderen das Fleck- und Braunvieh. Über 26 Prozent der in Deutschland gehaltenen Rinder gehören der Rasse Fleckvieh an.

Wie werden die Rinder gehalten?

In Deutschland werden neun von zehn Rindern in Laufställen gehalten, in denen sie sich frei bewegen können. Die Ausgestaltung dieser Stallungen variiert beträchtlich. Die Spannweite reicht von Ställen, deren Boden ausschließlich aus Betonspalten besteht (meist bei Rindermastbetrieben), bis hin zu großzügigen Boxenlaufställen. Daneben ist noch die saisonale oder ganzjährige Anbindehaltung anzutreffen. Unabhängig von der Haltungsform im Stall hat etwa jedes dritte Rind im Sommer regelmäßigen Weidegang.

Ökologische Rinderhaltung

Über die Jahre ist ein kontinuierlicher Anstieg der ökologischen Rinderhaltung zu verzeichnen. Im Jahr 2020 betrug der Anteil der Betriebe mit ökologischer Rinderhaltung 12 Prozent und der Anteil der ökologisch gehaltenen Rinder 7,6 Prozent. Dies zeigt sich auch in der Kuhmilchlieferung der Erzeuger an deutsche milchwirtschaftliche Unternehmen. Wurden im Jahre 2018 rund 1.118.000 Tonnen Liter ökologisch erzeugte Milch geliefert, so waren es 2020 über 1.234.000 Tonnen.

Weiter Angaben und Auswertungen zum Milchpreis liefert unsere Seite Milchpreise und Milchmengen in Deutschland.

Sie suchen Angaben zum Schlachtpreis und Schlachtmenge von Bio-Rindern? Detaillierte Angaben liefert unser wöchentlicher vorläufiger Wochenbericht gemäß 1. FlGDV und die Seite: Schlachtpreise Bio-Rinder.

Visualisierung der Tabelle Rinderbestand und Rinderbestände nach Nutzungsrichtung und Rinderrassen

Anmerkungen

Die Angaben zur Viehhaltung stammen aus den nach dem Agrar­statistikgesetz repräsentativ oder allgemein (total) durchgeführten Viehbestandserhebungen. Neben der Veröffentlichung der Ergebnisse für die einzelnen Tierarten nach Kategorien wird die im Rahmen der Land­wirt­schafts­zählung/ Agrarstrukturerhebung vorgenommene Auswertung nach Betriebs- und Bestands­größen­klassen für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel insgesamt sowie für einzelne Kategorien dargestellt. Die Begriffe "Rinder" und "Schweine" schließen jeweils alle Kategorien ein, d. h. bei Rindern auch Kälber, Kühe und Bullen, bei Schweinen auch Ferkel, Zuchtsauen und Eber.

Seit Mai 1999 wurde die allgemeine Erhebung in den Jahren 2001, 2003 und 2007 durchgeführt, Anfang Mai für Rinder, Schweine, Schafe, Pferde und Geflügel; in den anderen Jahren wurden Anfang Mai Rinder, Schweine und Schafe repräsentativ erhoben. Im November jeden Jahres werden Rinder und Schweine erhoben. Die Angaben zu den Rinderbeständen sowie zur Zahl der Rinderhalter werden seit Mai 2008 der HIT-Rinderdatenbank entnommen und sind mit denen aus vorhergehenden Zeiträumen nur bedingt vergleichbar. Seit 2009 werden die Kälber und Jungrinder gemäß EU-Verordnung 1165/2008 neu abgegrenzt. Eine Vergleichbarkeit ist nur mit der Position "Kälber und Jungrinder bis 1 Jahr gesamt" gegeben.

Seit 2010 werden die Bestände an Geflügel und Einhufern nur noch im Rahmen der dreijährlich stattfindenden Agrarstrukturerhebungen erfasst. Die Schweinebestände werden im Mai und im November in einer besonderen Stichprobenerhebung ermittelt, in der Betriebe mit mindestens 50 Schweinen oder 10 Zuchtsauen einbezogen sind, um insbesondere die kleineren Betriebe zu entlasten. Daher sind die Schweinebestände zu den Vorerhebungen nur begrenzt vergleichbar; die Betriebszahlen sind nicht vergleichbar. Die Schafbestände wurden 2010 im Rahmen der Landwirtschaftszählung erhoben und werden seit 2011 im Rahmen der Viehbestandserhebung im November repräsentativ ermittelt.