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Landwirtschaft

Weinbau

Weinbau in Deutschland

Seit bereits mehr als 2.000 Jahren wird in Deutschland Wein angebaut. Die Weinreben benötigen je nach Sorte mäßig warme bis warme Witterungsbedingungen, um gute Erträge und Qualität zu liefern. Daher beschränkt sich der deutsche Weinbau auf klimatisch günstige Regionen. Diese liegen vorwiegend in milden Flusstälern, zum Beispiel des Rheins oder der Mosel. Dort prägen die Weinreben die Kulturlandschaft durch den Anbau an sonnigen und häufig steilen Hängen.

Betriebe und Anbauregionen

Die Anzahl der deutschen Weinbaubetriebe ist von 20.300 Betrieben im Jahr 2010 auf 15.200 Betriebe in 2020 gesunken. Besonders groß ist der Rückgang bei kleinen Höfen mit weniger als einem Hektar Rebfläche. Waren es im Jahr 2010 noch rund 6.000 Betriebe, so wurden in der aktuellen Landwirtschaftszählung 2020 3.608 Betriebe erfasst. Während die Anzahl an Höfen mit Weinbau in allen Größenklassen mit Rebland unter zehn Hektar abnahm, blieb die Anzahl der Betriebe mit 10.000 bis 20.000 Hektar Rebfläche mit 2.100 Betrieben stabil. Die Anzahl sehr großer Betriebe mit einer Rebfläche von 20.000 Hektar und mehr nahm sogar zu. Bewirtschafteten 2010 rund 700 Betriebe eine Rebfläche von 20.000 Hektar und mehr, so waren es 2020 um die 1.100 Betriebe. Dies verdeutlicht eine Entwicklung zu weniger Betrieben und größeren Weinbergen pro Betrieb.

In 2020 betrug die mit Keltertrauben bestockte Rebfläche in Deutschland 103.180 Hektar, darunter 100.705 Hektar im Ertrag stehendes Rebland. Diese Fläche verteilte sich fast ausschließlich auf die 13 deutschen Weinbaugebiete. Mit einem Anteil von 62,5 Prozent ist Rheinland-Pfalz das bedeutendste Bundesland für den deutschen Weinbau. Darauf folgt Baden-Württemberg mit 26,4 Prozent der Rebfläche.
An der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche macht Rebland mit 0,6 Prozent nur einen sehr geringen Anteil aus. Allerdings tragen der dort produzierte Weinmost und Wein etwa zwei Prozent zum Produktionswert der Landwirtschaft bei. Im Jahr 2020 lag dieser laut der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung bei rund 1,1 Milliarden Euro.

Was wird mehr angebaut? Weißwein oder Rotwein?

Bei den Rebsorten des Weines wird zwischen weißen und roten Sorten unterschieden. Traditionell liegt der Schwerpunkt der deutschen Weinproduktion auf weißen Sorten. Auf zwei Dritteln des Reblandes (69.418 Hektar) wuchsen in 2020 weiße Trauben. Während diese Fläche in den letzten zehn Jahren immer weiter anstieg, ist der Anbau roter Sorten rückläufig. Die Weinbergfläche, auf der rote Weinsorten wuchsen, sank auf 33.762 Hektar im Jahr 2020.

Riesling, Spätburgunder, Müller-Thurgau und Ruländer

Von den über 100 in Deutschland angebauten Rebsorten ist der Riesling die mit Abstand bedeutendste Sorte. Mit einer bestockten Rebfläche von 24.150 Hektar nahm der Riesling 2020 23,4 Prozent der Gesamtfläche ein und ist damit die wichtigste weiße Rebsorte. Auf den Riesling folgt der Spätburgunder mit 11.660 Hektar und einem Flächenanteil von 11,3 Prozent. Damit stellt er die wichtigste rote Sorte dar, gefolgt von der Sorte Dornfelder mit 7,1 Prozent (7.332 Hektar).

Unter den weißen Sorten weiten sich sowohl der Ruländer (Grauburgunder) als auch der Weißburgunder aus. So stieg die Anbaufläche des Ruländers zwischen 2010 und 2020 von 4.704 Hektar auf 7.356 Hektar und die des Weißburgunders von 4.100 auf 5.922 Hektar. Gleichzeitig sank der Flächenanteil der Sorte Müller-Thurgau seit 2010 um 2.097 Hektar auf 11.453 Hektar. Trotzdem bleibt Müller-Thurgau die zweitgrößte weiße Rebsorte und drittgrößte aller Sorten.

Bei den roten Beeren lässt sich für alle Sorten ein Rückgang in der Anbaufläche feststellen. Besonders stark sank die Rebfläche der Sorte Portugieser: von 4.099 Hektar in 2010 auf 2.548 Hektar in 2020.

Weintrauben verarbeiten: was wird aus den geernteten Trauben?

Im Jahr 2020 belief sich der Ertrag deutscher Winzer auf insgesamt 8,5 Millionen Hektoliter. Weißmost machte mit 5,7 Millionen Hektolitern, im Vergleich zu Rotmost mit 2,8 Millionen Hektolitern, die deutlich größere Menge aus. Insgesamt lag die Weinmosternte 2020 unter dem Durchschnitt von circa 8,9 Millionen Hektolitern der letzten zehn Jahre. Verglichen mit dem Rekordjahr 2018 wurden rund 18 Prozent weniger geerntet.

Die Trauben werden nach der Ernte gekeltert, indem sie durch Stampfen oder Pressen zu Most verarbeitet werden. Dieser wird dann durch alkoholische Gärung zu Wein. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 wurden so in Deutschland 8,3 Millionen Hektoliter Most und Wein erzeugt. Der Wein kann dann als Grundlage für die Sektproduktion dienen. Deutschland erzeugt schon bereits lange und viel Sekt.

Bei der Weinherstellung bleiben Teile der Trauben übrig, die nicht zu Wein weiterverarbeitet werden. Diese Reste werden als Traubentrester bezeichnet und bestehen zum Beispiel aus der Schale und den Kernen der Weintrauben. Traubentrester kann in der Landwirtschaft als Futtermittel eingesetzt werden.

Wie viel Wein konsumieren wir?

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Wein ohne die weiterverarbeiteten Mengen lag in Deutschland bei 23,7 Litern. Mehr Informationen zu der Versorgung mit Wein finden Sie in der Weinbilanz.

Landwein, Qualitätswein und Prädikatswein

Bereits der Anbau und die Ernte entscheiden maßgeblich, wie die Weine später klassifiziert werden können. Europäischem Recht folgend werden Weine in Weine ohne geschützte Herkunftsangaben und mit geschützten Herkunftsangaben eingeteilt. Unter Weine ohne geschützte Herkunftsangabe fallen Weine aus der Europäischen Gemeinschaft, deutscher Wein sowie deutscher Wein mit Angabe der Rebsorte und/ oder des Jahrgangs. Bei Wein mit geschützter Herkunftsangabe unterscheidet man weiter zwischen Wein mit geschützter geographischer Angabe (Landwein) und Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung (Qualitätswein und Prädikatswein). In Deutschland sind alle 13 Weinanbaugebiete mit der geschützten Ursprungsbezeichnung (g. U.) geschützt und somit zur Produktion von Qualitätswein berechtigt. Die Namen der deutschen Landweingebiete werden als geographische Angaben (g. g. A.) geschützt.

Für die einzelnen Klassifizierungen müssen die Weine jeweils bestimmte Vorrausetzungen erfüllen. So müssen für Landwein zum Beispiel mindestens 85 Prozent der verwendeten Weintrauben aus dem genannten Gebiet kommen. Für Qualitätswein hingegen müssen alle Trauben in einem bestimmten Anbaugebiet geerntet und verarbeitet werden. Prädikatswein wird in Verbindung mit einem Prädikat, darunter beispielsweise Kabinett, Spätlese, Auslese oder Eiswein, gekennzeichnet. Kabinett stellt dabei die unterste der Prädikatsstufen dar, alle andern Prädikatsweine müssen darüber hinaus weitere Bedingungen erfüllen. Für Eiswein müssen beispielsweise die Keltertrauben bei ihrer Lese und Kelterung gefroren sein.

2020 war eine Erntemenge von 4,4 Prozent geeignet, als Landwein ausgewiesen zu werden. Somit wurden in diesem Jahr insgesamt 326.000 Hektoliter Landwein erzeugt. Zur Produktion von Qualitätswein waren knapp 60 Prozent der Ernte geeignet, was einer Menge von 5,4 Millionen Hektolitern entspricht. Mit einem Ernteanteil von 35,7 Prozent, im Vergleich zu 45,3 Prozent im Vorjahr, war eine deutlich niedrigere Menge der Weinmosternte zur Herstellung von Prädikatswein geeignet. Die Erzeugung von Prädikatswein betrug in 2020 2,7 Millionen Hektoliter.

Visualisierte Auswertung des Anbaus und der Ernte von Wein