Die agrarmeteorologische Situation im Jahr 2018

Deutschland erlebte zwischen Herbst 2017 und Sommer 2018 erneut eine Vegetationsperiode mit zahlreichen Wetterextremen, die die ganze Bandbreite von übermäßigen Niederschlägen bis hin zu Rekordtrockenheit abdeckte. Für die Landwirtschaft schlug sich dies in regional differenziertem Ausmaß in erheblichen Einbußen im Ackerbau und in der Futtererzeugung nieder. Mehr Glück als im Vorjahr hatten Obst und Weinbau, da im Frühjahr 2018 keine vergleichbaren Spätfröste auftraten und die etablierten Pflanzenbestände besser mit der Trockenheit zurechtkamen als Ackerfrüchte und Grünland.

Basierend auf der Berichterstattung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lässt sich der jahreszeitliche Witterungsverlauf im Hinblick auf die Auswirkungen für die Landwirtschaft wie folgt zusammenfassen. Einen ersten Eindruck in Bezug auf die Entwicklung der Wasserversorgung vermitteln die Karten des DWD zur klimatischen Wasserbilanz jeweils zum Ende der meteorologischen Jahreszeit. Dieser Indikator beschreibt die Differenz aus der Niederschlagssumme und der Summe der potentiellen Verdunstung über Gras in mm.

Der Herbst 2017 war durchweg zu nass. Als Resultat aus den ergiebigen Niederschlägen war die klimatische Wasserbilanz in den meisten Regionen positiv, vielerorts mit Werten zwischen 125 und 250 mm. Lediglich in Teilen von Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie punktuell in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwankte die Bilanz zwischen nur 25 mm und +25 mm.

Vor allem in Norddeutschland waren viele Böden stark durchfeuchtet und nicht befahrbar. Infolgedessen konnten noch anstehende Erntearbeiten und Feldarbeiten zur Herbstaussaat nur verzögert oder gar nicht durchgeführt werden. Die Qualität des Grundfutters litt verbreitet darunter, dass  Silomaisbestände durch die früh auftretenden Herbststürme abknickten und der letzte Grasschnitt mit zu hoher Feuchte eingebracht wurde. Im Winterraps wurde witterungsbedingt ein zunehmender Stängelfäule-Befall registriert, sodass viele Bestände geschwächt in die Winterruhe gingen.

Der Winter 2017/18 war in seiner Gesamtbilanz mild, nass und sonnig. Erst im Februar setzte anhaltender Frost ein und ließ die Pflanzenwelt zur Ruhe kommen. Nachdem die Niederschläge im Dezember relativ nah am langjährigen Mittel lagen, stiegen sie insbesondere um den Jahreswechsel und in der zweiten Januarhälfte stark an, bevor sie im Februar nahezu stagnierten. Im Januar fielen bezogen auf Deutschland insgesamt - 106 mm; dies entsprach 166 % des langjährigen Mittels 1981-2010. Im Februar waren es im Schnitt für Deutschland nur noch 18 mm und damit 34 % vom Mittel. Zudem ließen Frost, übernormale Sonnenscheindauer und lebhafter Wind die oberen Bodenschichten austrocknen. Die Wasserbilanz rutschte dementsprechend im letzten Wintermonat in den leicht negativen Bereich, und die Bodenfeuchte sank unter 100 % nutzbare Feldkapazität (nFK).

Das Frühjahr 2018 war durch große Kontraste geprägt. Der März fiel insgesamt zu kalt und meist etwas zu trocken aus. Verbreitet verhinderte die noch hohe Bodenfeuchte aufgrund der Niederschläge im Herbst und Winter den Start der Feldarbeiten, und die Aussaat der Sommerungen musste noch aufgeschoben werden. Die Pflanzenentwicklung lag ein bis zwei Wochen hinter den Normalwerten zurück. Erst in den letzten Märztagen wurde vereinzelt die 200-Grad-Temperatursumme erreicht, die den Beginn des Grünlandwachstums markiert.

Ab April stellte sich die Wettersituation grundlegend um. Waren im Herbst und Winter noch Westwetterlagen dominierend, die für reichlich Nachschub an Niederschlägen sorgten, so standen seit April stabile Hochdruckwetterlagen im Vordergrund, die kontinentale warme und trockene Luft nach Deutschland lenkten. Bei der trocken-warmen Witterung und noch hinreichender Bodenfeuchte explodierte die Pflanzenentwicklung im April förmlich; der anfängliche Entwicklungsrückstand wurde rasch aufgeholt. In der Folge wurden die einzelnen Phasen der phänologischen Entwicklung deutlich früher als im langjährigen Mittel erreicht, sodass die Ernte bei nahezu allen Kulturen sehr früh anlaufen konnte.

Sowohl für April als auch für Mai wurde die höchste Durchschnittstemperatur seit Beginn der kontinuierlichen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 registriert. Neben der Wärme zeichnete sich ein zunehmendes Niederschlagsdefizit ab. Die vormals nassen Böden trockneten unter der starken Sonneneinstrahlung und bei kräftigen Winden weiter ab. Auf leichten Böden wurde das Wasser allmählich knapp. Im Mai setzte sich diese Entwicklung fort. Vor allem im Norden und Osten verschärften sich die Trockenheitsprobleme. Wo möglich wurde mit der Beregnung der Flächen begonnen. Zum Ende des Frühjahrs gab es nur noch wenige kleinräumige Gebiete mit einer positiven klimatischen Wasserbilanz.

Die Zweiteilung der Witterung setzte sich auch im Juni, dem ersten Sommermonat 2018, fort: Im Süden und Westen Deutschlands dominierte schwülwarme Luft, und verbreitet entluden sich heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel, die lokal für erhebliche Unwetterschäden sorgten. Im Norden und Osten herrschte dagegen weiter sehr warmes, sonnenscheinreiches Wetter, sodass bereits zur Monatsmitte die Ernte notreifer Getreidebestände einsetzte. Hinsichtlich der Niederschläge erreichte der Juni im Bundesdurchschnitt mit 48 mm nur 62 % seines Solls. Besonders trocken war der Monat in Sachsen-Anhalt (17 mm im Vergleich zu 63 mm) und in Thüringen (11 mm im Vergleich zu 60 mm).

Bereits Anfang August legte der DWD eine Zwischenbilanz vor, aus der hervorging, dass der Sommer 2018 durch neue Rekorde gekennzeichnet sein würde. Der Zeitraum April bis Juli 2018 wies eine Temperaturanomalie von 3,6 Kelvin gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 auf; im Sommer 2003 lag die Temperaturabweichung bei 3,4 Kelvin. Das Niederschlagsdefizit im Zeitraum April bis Juli 2018 belief sich im Bundesdurchschnitt auf 110 mm, auch dies ein noch nie dagewesener Wert.

Die in der zweiten Julihälfte einsetzende Hitzewelle verursachte eine teilweise rekordverdächtige Anzahl von Sommer und Hitzetagen in Folge. Mit dem Durchzug einer Gewitterfront am 9./10. August wurde diese Hitzewelle zwar beendet, eine durchgreifende Wetterumstellung stellte sich damit jedoch nicht ein. Insbesondere blieben Niederschläge auf Gewitter und Schauer beschränkt, sodass die Dürreproblematik weiter andauerte. Die klimatische Wasserbilanz zum Ende des meteorologischen Sommers am 31. August 2018 wies praktisch für das gesamte Bundesgebiet mit Ausnahme des Alpenrandes einen gravierenden Wassermangel aus. Damit waren die Aussaatbedingungen für Winterraps zur Ernte 2019 denkbar ungünstig. Dies führte erneut zu einer spürbaren Einschränkung der Anbaufläche bei Winterraps.

In der Gesamtschau war das Jahr 2018 das wärmste und sonnigste Jahr seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Auch gehörte es zu den niederschlagsärmsten Jahren seit 1881. Von April bis November verliefen alle Monate ausnahmslos zu warm, zu trocken und sonnenscheinreich. Erst im Dezember ging die Dürre mit ergiebigen Niederschlägen zu Ende.

Diese und weitere Abbildungen und Tabellen sind in der Broschüre Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung 2018 enthalten.