Agrarklima

Rückblicke auf das Agrarklima vom Deutschen Wetterdienst: Jahreszeitenrückblicke.

Sonderberichte über das Agrarklima vom Deutschen Wetterdienst: Sonderberichte.

Die agrarmeteorologische Situation der Wachstumsperiode bis zur Ernte 2019

In vielen Regionen Deutschlands war auch in der Vegetationsperiode 2018/2019 wie bereits im Vorjahr die Wasserverfügbarkeit der Böden der limitierende Faktor. Nachdem das Jahr 2018 mit einem Niederschlagsdefizit von rund200 mm im Deutschlandmittel zu Ende gegangen war, brachten überdurchschnittliche Niederschläge im Januar und März 2019 vielerorts, jedoch nicht flächendeckend, zunächst eine leichte Entspannung. Diese konnten aber den für die Land und Forstwirtschaft relevanten Wasserspeicher in tieferen Bodenschichten bei Weitem nicht auffüllen. Einen Eindruck von der Entwicklung der Wasserversorgung vermitteln die Karten im Anhang zur klimatischen Wasserbilanz. Diese beschreibt die Differenz aus der Niederschlagssumme und der Summe der potentiellen Verdunstung über Gras während der jeweiligen meteorologischen Jahreszeit.

Die extrem warme, trockene und sonnige Witterung, die seit April 2018 herrschte, riss auch im Herbst nicht ab. Im langjährigen Vergleich seit 1981 war der Herbst 2018 der trockenste und unterbot selbst das vorherige Rekordjahr 2003. Die Jahreszeit entwickelte sich völlig konträr zum vorangegangenen Jahr, als der Herbst ungewöhnlich feucht ausgefallen war. Die nahezu stagnierenden Niederschlagssummen erfuhren im Jahr 2018 lediglich im letzten Septemberdrittel einen sichtbaren Anstieg, als Herbststürme vorübergehend größere Regenmengen mit sich brachten, die allerdings nur lokal für günstigere Bodenfeuchteverhältnisse sorgten. Einige Regionen im Osten und Südwesten Deutschlands wiesen im September alarmierend niedrige Werte von rd. 30 % nutzbarer Feldkapazität (% nFK) auf und unterschritten damit sogar den bereits niedrigen Stand der Sommermonate. Als Kontrast hierzu war der äußerste Süden Bayerns sehr feucht mit Werten von teils über 100 % nFK.

Die anhaltende Trockenheit führte vielerorts zu Auflaufproblemen bei den Winterkulturen. Winterraps wurde oft sehr spät oder gar nicht erst ausgesät; teilweise lief die Saat nicht auf bzw. die jungen Bestände vertrockneten, sodass die betroffenen Flächen umgebrochen werden mussten. Auch im Oktober gelangten mit südwestlicher Strömung ungewöhnlich warme und trockene Luftmassen ins Land, wodurch sich die seit April anhaltende extreme Dürre weiter verschärfte und die Keim und Auflaufbedingungen für die Winterungen vielerorts weiterhin ungünstig waren. Der November brachte ebenfalls noch keine spürbare Entspannung. Die Bodenfeuchtesituation hatte sich im Vergleich zum Vormonat kaum verbessert; die Werte lagen meist nur zwischen 35 und 55 % nFK.

Im Frühjahr 2019 war es insgesamt warm und sonnig bei durchschnittlicher Niederschlagsmenge. Aufgrund der geringen Bodenfeuchte begann die Vegetationsperiode vielerorts mit deutlich schlechteren Startbedingungen als im Vorjahr. Trotz gebietsweiser ergiebiger Niederschläge im März waren im Mittel nur 94 % nFK in leichten Böden unter Wintergetreide zu verzeichnen. Im zu trockenen April fiel der Wert um 20 %. Auch die überdurchschnittlichen Regenfälle im Mai konnten das Sinken der Bodenfeuchte kaum bremsen, sodass der Frühling im Deutschlandmittel mit rd. 60 % nFK zu Ende ging. Sowohl im April als auch Anfang Mai traten Nachtfröste auf, was kleinräumig zu Schäden an Obstblüten sowie an früh aufgelaufenen Zuckerrüben und Maisbeständen führte. Außerdem sorgten Trockenheit und hohe Temperaturen schon Ende April für eine deutlich erhöhte Waldbrandgefahr. Im Mai wurde – nach 13 zu warmen Monaten – erstmals wieder eine negative Temperaturabweichung registriert. Gebietsweise kam es zu ersten Trockenstresssymptomen im Wintergetreide, und bei ausgewählten Kulturen wurde mit der Feldberegnung begonnen.

Die ersten beiden Sommermonate brachten neue Temperaturrekorde, und die Trockenheit verschärfte sich weiter. Es gab jedoch wiederholt örtliche Starkregen und Unwetterereignisse, die zum Teil zu enormen Schäden auch an landwirtschaftlichen Kulturen führten. Der Juni 2019 war der wärmste und sonnigste Juni seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1881 und fiel deutlich zu trocken aus. Nach der ersten großen Hitzewelle in der letzten Junidekade begann der Juli zunächst mit angenehmen Temperaturen, bevor im letzten Monatsdrittel die Zufuhr heißer Luftmassen aus Südwesteuropa für eine neue Hitzewelle mit historischen Temperaturrekorden sorgte. Es wurde nicht nur ein neuer Spitzenwert von 42,6 °C gemessen, auch die Anzahl der Wetterstationen, an denen mehr als 40 °C gemessen wurde, war außergewöhnlich. Erneut blieben die Niederschläge deutlich hinter dem langjährigen Mittel zurück. Die Kombination aus Niederschlagsdefizit und großer Hitze ließ nicht nur die Ernteaussichten schrumpfen, sondern führte auch zu einer großen Zahl an Wald und Flurbränden.

Die Getreideernte begann im Mittel wenige Tage früher als im langjährigen Vergleich, die Rapsernte hingegen geringfügig später. Allerdings gab es je nach Witterung große regionale Unterschiede. Der August brachte bis zur Monatsmitte bei nur leicht überdurchschnittlichen Temperaturen in vielen Regionen deutlich mehr Regen als die Vormonate. In weiten Teilen Ostdeutschlands blieben die Niederschläge allerdings erneut erheblich unter dem Soll. Die Feuchte der oberen Bodenschichten stieg in den regenreicheren Regionen an; in tieferen Schichten sind die Böden allerdings nach wie vor stark ausgetrocknet. Dort, wo die Ernte nicht bereits Ende Juli abgeschlossen war, führte die wechselhafte Witterung zu Unterbrechungen der Erntetätigkeit.

Teilweise kamen die Niederschläge in den ersten beiden Augustdekaden noch Hackfrüchten und Mais zugute. Die trockenen Bedingungen zum Monatsende veranlassten viele Landwirte, die Bestellung von Winterraps zu verschieben. Die Ernte von Winterweizen, Winterroggen sowie Sommergerste wurde meist abgeschlossen und zum Monatsende wurden aufgrund der Trockenheit bereits erste Maisbestände gehäckselt. Das unbeständige Wetter verzögerte teils die Ernte von noch verbliebenen Flächen mit Sommergetreide.

Im September setzte sich zunächst die niederschlagsarme und sonnenscheinreiche Witterung der Vormonate fort. Abgesehen von einem durchwachsenen Intermezzo zum Ende der ersten Septemberdekade dominierte anfangs trockenes Hochdruckwetter mit allenfalls geringen Niederschlagsmengen. Erst ab dem 22. stellte sich unbeständiges Wetter ein, das auch in bisher vernachlässigten Regionen den ersehnten Regen brachte. Letztendlich war die Spanne bei den Niederschlagsmengen jedoch enorm. Die Niederschläge reichten weiterhin nicht aus, die Wasserdefizite in den Böden der Vormonate und vor allem des Vorjahres auszugleichen und die regionalen Unterschiede in der Bodenfeuchte blieben bestehen (der äußerste Süden und Norden war feucht mit Werten von teils über 100 % nFK, der größte Teil des Landes aber eher trocken, insbesondere der Osten zwischen Magdeburg und Erfurt mit gebietsweise weniger als 25 % nFK). Der Winterraps lief in der ersten Monatsdekade verbreitet auf. Die Kartoffelernte wurde fortgesetzt und zum Ende der ersten Dekade begann die Zuckerrübenkampagne. Die bis in den September reichende Trockenheit hinterließ bei den zur Ernte anstehenden Fruchtarten ihre Spuren. Mais und früh gerodete Zuckerrüben erreichten vielerorts nicht das normale Ertragsniveau.

Diese und weitere Abbildungen und Tabellen sind in der Broschüre Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung 2019 enthalten.