Kartoffelernte 2019/20: Trend hin zu Kartoffelerzeugnissen setzt sich fort

Wie auch in den beiden vorangegangenen Jahren wirkten sich die Witterungsbedingungen während der Vegetationsperiode, insbesondere der weit verbreitete Niederschlagsmangel, ertragsbegrenzend auf die Kartoffelernte 2020 aus. Dass die Erntemenge mit rd. 11,6 Millionen Tonnen höher als in den Vorjahren ausfiel, ist auf den anhaltenden Flächenzuwachs zurückzuführen. Über die Jahre 2016 bis 2020 wurde die Anbaufläche um 32.400 Hektar ausgedehnt; hierdurch konnten die geringeren Hektarerträge kompensiert werden.

Die Hauptanbaugebiete von Kartoffeln liegen in Nord- und Westdeutschland sowie im Südosten Deutschlands. Mit einem Flächenanteil von fast 45 Prozent an der Gesamtfläche liegt Niedersachsen an der Spitze im Bundesvergleich. Auf Grund des hohen Anteils an beregneten Kartoffelflächen ist dort die Ertragslage auch bei geringen Niederschlägen relativ stabil.

Beim Kartoffelanbau überwiegt die konventionelle Erzeugung. Geschätzt stammen weniger als zwei Prozent der gesamten Erntemenge aus ökologischem Anbau. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 wurde der inländische Bedarf zu mehr als 100 Prozent aus heimischer Erzeugung gedeckt. Der Selbstversorgungsgrad bei Kartoffeln lag bei 144 Prozent. Speisekartoffeln werden als Frischkartoffeln das gesamte Jahr über im Handel angeboten. Trotz des hohen Selbstversorgungsgrades wird das Angebot im Handel im Frühjahr bis zum Eintreffen erster heimischer Frühkartoffeln durch Importware aus dem Mittelmeerraum, insbesondere aus Ägypten und Israel, ergänzt.

Im Durchschnitt verbrauchten die Bundesbürger im Jahr 2019/20 pro Kopf 57 Kilogramm, davon weit über die Hälfte in Form von Kartoffelerzeugnissen. Tendenziell nimmt der Verbrauch an Speisefrischkartoffeln seit vielen Jahren ab, und der Verzehr an fertigen Kartoffelerzeugnissen steigt an. Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2018/19 war allerdings eine leichte Erhöhung um zwei Kilogramm im Pro-Kopf-Verbrauch zu verzeichnen. Dies hängt mit den Beschränkungen aufgrund der Corona-Maßnahmen zusammen, die zu einem starken Rückgang des Außer-Haus-Verzehrs und verstärkter Mahlzeitenzubereitung in den privaten Haushalten führten.

Die Verarbeitungsbetriebe sind überwiegend in den Hauptanbaugebieten Deutschlands angesiedelt. Dies ist mit kurzen Transportstrecken für Industriekartoffeln verbunden, die zu einem großen Teil der Speisekartoffeln zu Kartoffelprodukten in gefrorener oder getrockneter Form (Pommes Frites, Chips, Sticks, Kloß-Mehl u. a.) verarbeitet werden. Im Inland wurden 2019/20 knapp 5,6 Millionen Tonnen Kartoffeln als Frischware oder in Form verarbeiteter Erzeugnisse abgesetzt.

Die Herstellung von Stärke aus Kartoffeln ist im Bereich der Wirtschaftskartoffeln der wichtigste Verwendungszweck. 2019/20 wurden ca. 20 Prozent der Gesamtbruttoernte für die Stärkeproduktion verwendet. Der Einsatz von Futterkartoffeln zur Versorgung der Tierbestände ist heute kaum noch von Bedeutung. Nebenprodukte und Abfälle der Kartoffelindustrie finden hier jedoch eine hohe Verwendung. Überschüssige Kartoffeln werden zudem als Substrat in Biogasanlagen eingesetzt.

Auf Grund des hohen Selbstversorgungsgrades und der vorhandenen Verarbeitungskapazitäten spielt der Export von Kartoffeln und -erzeugnissen eine wesentliche Rolle für die Kartoffelwirtschaft. Deutschland ist Nettoexporteur von Kartoffeln und deren Erzeugnissen. Dies gilt auch für Kartoffelstärke. Rund zwei Drittel der hergestellten Stärke wurde 2019/2020 im Ausland abgesetzt.

Quelle: BLE (415)