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Landwirtschaft

Qualität und Sorten der Getreideernte 2016

Wintergerstenkörner

Quelle: BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Aus den Untersuchungen von Getreideproben der Ernte 2016 werden nachstehend schwerpunktmäßig Werte über Qualität und Sortenverteilung aufgeführt. Feuchtigkeitsgehalt und Schwarzbesatz wurden nur anhand der Volldruschproben ermittelt. Die Angaben sind daher, besonders auf Landesebene, weniger repräsentativ. Gegenüber dem Vorjahr kann im deutschlandweiten Schnitt bei allen Getreidearten ein höherer Feuchtigkeitsgehalt festgestellt werden. Der Schwarzbesatz ist im deutschlandweiten Schnitt zum Vorjahr bei allen Getreidearten leicht gestiegen. Der Anteil des Getreides mit Auswuchs wurde anhand der Volldruschproben ermittelt. Die Auswuchsschäden waren in diesem Jahr witterungsbedingt bei fast allen Getreidearten insgesamt höher als im Vorjahr.

Die Qualität der deutschen Weizen- und Roggenernte 2016 wurde wie alljährlich vom Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, am Standort Detmold anhand der Probeschnitt- und Volldruschmuster untersucht.

Die Vegetationsperiode 2015/16 war in weiten Teilen Deutschlands zunächst geprägt von einem trockenen Herbst. Der November brachte dann eine milde und nasse Witterung, sodass die Böden ihre Wasservorräte wieder etwas auffüllen konnten. Der Winter 2015 begann eher trocken. Was im Dezember an Niederschlägen fehlte, wurde im Januar und Februar aufgeholt. Erst Mitte Januar bremste ein Wintereinbruch die Pflanzenentwicklung, und es stellte sich Winterruhe ein. Das Frühjahr 2016 präsentierte sich mit insgesamt ausgeglichenen Temperaturen. Sturm, Starkregen, Überflutungen und Hagel richteten, meist lokal begrenzt, schwere Schäden an, sodass auch die potenzielle Schadwirkung durch Pilzerkrankungen und Schädlinge zunahm. Auch wenn der Sommer mit insgesamt hohen Temperaturen, durchschnittlichem Niederschlag und Sonnenschein unauffällig war, so stellte er – im Detail betrachtet – in einigen Regionen dennoch eine Herausforderung dar: Aufgrund des unbeständigen Wetters mit häufigen Niederschlägen musste die Getreideernte immer wieder unterbrochen werden. Dabei gab es mancherorts Probleme mit Pilzbefall und Auswuchs.

Proteingehalt

Die Winterweizenernte 2016 weist im Durchschnitt aller untersuchten Proben aus dem Bundesgebiet einen Proteingehalt von 12,6 % auf. Dieser Wert ist damit etwas niedriger als im Vorjahr (12,7 %) und liegt um 0,2 % unter dem Mittel der vergangenen 10 Jahre. Der Sedimentationswert, ein indirektes Maß für die Proteinqualität, liegt mit 42 ml unter dem Wert des Vorjahres (43 ml) und unter dem Durchschnittswert der vorausgehenden 10 Jahre (45 ml). Das anhand von Proteingehalt, Sedimentationswert und Backqualitätsgruppe berechnete Backvolumen im Rapid-Mix-Test (RMT) liegt mit 667 ml pro 100 g Mehl unter dem Ergebnis des Vorjahres (671 ml/100 g Mehl) und unter dem Zehnjahresmittel (683 ml/100 g Mehl).

Gemessen an der Ernte 2015, von der bundesweit 2,6 % aller untersuchten Proben eine Fallzahl von unter 160 s und 3,8 % unter 220 s aufwiesen, sind die Werte mit 7,1 % unter 160 s und 14,1 % unter 220 s in diesem Jahr aufgrund des ungünstigeren Witterungsverlaufes zur Ernte schlechter ausgefallen.

Alle untersuchten Sorten der Qualitätsgruppe E lieferten einen Gesamteiweißgehalt von durchschnittlich 13,6 %; dieser liegt um 0,6 % niedriger als im Erntejahr zuvor. Der Sedimentationswert ist, im Vergleich zum Vorjahr (60 ml), mit 54 ml auch deutlich gesunken. Im A-Segment lauten die Qualitätskriterien 12,7 % Proteingehalt und 45 ml Sedimentationsvolumen. Der Proteingehalt ist in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahr (12,8 %) leicht gesunken. Der Sedimentationswert ist unverändert (Vorjahr: 45 ml). Die B-Weizensorten ergaben einen mittleren Proteingehalt von 12,2 % (2015: 12,3 %) und einen mittleren Sedimentationswert von 38 ml (2015: 38 ml). Im C-Weizensortiment wurde ein etwas höherer Proteingehalt (12,0 %) und Sedimentationswert (26 ml) als in 2015 (11,6 %, 25 ml) ermittelt.

Die Brotroggenqualität wird üblicherweise im Handel mit den Merkmalen der Stärkebeschaffenheit (Fallzahl > 120 s), der Amylogramm-Verkleisterungstemperatur (> 63 °C) und Amylogramm-Maximum-Viskosität (> 200 AE) definiert. Die im Erntejahr 2016 insgesamt als immer noch unbedenklich zu bewertende Situation findet ihren Ausdruck in der Betrachtung des bundesweiten Durchschnitts. Danach liegt der Brotroggenanteil der diesjährigen Ernte bei 73 % (Vorjahr: 90 %).

Getreidesorten

Zur Verbreitung der Getreidesorten in den Ländern und im Bundesgebiet im Jahr 2016 lässt sich im Rahmen der Ergebnisse der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung folgendes feststellen:

Bei den Winterweizensorten erzielte 2016 die Sorte "Tobak" (8,3 %) den Spitzenplatz. Es folgten die Sorten "Patras" (7,7 %), "Reform RGT" (7,4 %) und "Elixer" (6,8 %).

Die Roggensorten mit der größten Verbreitung waren, wie auch schon in den letzten Jahren, die Sorten "Brasetto" (14,6 %), "Palazzo" (13,1 %) und "Dukato" (11,9 %).

Die Wintergerstensorten "KWS Meridian" (15,1 %) und "Sandra" (10,7 %) tauschen im Vergleich zum Vorjahr die Plätze. Die Sorten "Lomerit" (10,4 %) und "California" (8,3 %) liegen wie bereits 2015 an Stelle drei und vier.

Bei Sommergerste wird die Sorte "Grace" (14,4 %) von der Sorte "Quench" (15,9 %) von der Spitze verdrängt. Am dritthäufigsten wurde die Sorte "Avalon" (14,2 %) angebaut.

Auf mehr als der Hälfte der Haferanbaufläche wurden die Sorten "Max" (36,3 %) und "Scorpion" (22,1 %) bestellt. Auf den nächsten Plätzen rangierten die Sorten "Ivory" (8,6 %) und "Poseidon" (6,1 %).

Bei den Triticalesorten konnte "Grenado" (21,5 %) seine Spitzenposition behalten. Es folgten die Sorten "Adverdo" (19,4 %), "Agostino" (15,3 %) und "SW Talentro" (7,2 %).