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Landwirtschaft

Die agrarmeteorologische Situation im Jahr 2017

Spätfröste

Nach einem unproblematischen Winter mit etwas zu kalten Temperaturen im Januar wurde es Mitte Februar und besonders imMärz überdurchschnittlich warm. Dieser bisher wärmste in Deutschland registrierte März war 3,7 °C wärmer als das langjährige Mittel und beschleunigte die Pflanzenentwicklung, so dass die Obstblüte im Mittel 12 Tage früher einsetzte. Ab dem 20. April setzte sich eine ungewöhnlich kalte Witterung durch, die verbreitet zu Frostschäden bei den bereits blühenden Obstkulturen führte.

Niederschlag

Die Art und Menge des Niederschlags können unterschiedliche Wirkungen auf die Entwicklung von landwirtschaftlichen Kulturen haben. Er ist Voraussetzung für jegliches Pflanzenwachstum. Wenn es jedoch zu viel regnet und er womöglich noch in Kombination mit Hagel oder starken Windböen auftritt, so kann sich dies sehr nachteilig auf viele Kulturen auswirken.

Von Mitte März bis Mitte Mai ist die Verfügbarkeit des Düngers für Wintergetreide besonders wichtig, da in diesem Zeitraum der größte Biomassezuwachs erfolgt. Ist der Oberboden zu trocken, können die Nährstoffe nicht gelöst werden und stehen somit den Pflanzen nicht zur Verfügung. Einen Hinweis darauf, wie häufig diese Bedingungen auftreten, gibt die Anzahl der niederschlagsfreien Tage. Diese treten im Nordosten Deutschlands häufiger auf als im Südwesten. In den zurückliegenden Zeiträumen ist eine Tendenz zur Zunahme dieser Tage deutlich zu erkennen.

Zum Zeitpunkt der Ernte kann permanenter Niederschlag dazu führen, dass sich diese verzögert oder bei ungünstigen Bedingungen durchgeführt werden muss. 2017 gab es schlechten Erntebedingungen,  Nur in den Jahren 1993 und 1963 wurden vergleichbar ungünstige Bedingungen festgestellt.

Ein linearer Trend bei der Anzahl der Tage mit schlechten Erntebedingungen lässt sich nicht ausmachen. Vielmehr hat es den Anschein, dass die Anzahl ab 1961 bis ca. 1990 abgenommen hat, um danach wieder anzusteigen.

Die ungünstigsten Gebiete lagen mit über 5 von 14 Tagen in weiten Teilen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Im Rahmen des Extremwetterprojektes (Gömann et al. 2015) wurden zur Abschätzung der Erntebedingungen die Häufigkeit von Niederschlagsmengen über 5 mm untersucht. In einzelnen Regionen hat die Anzahl an Tagen mit Dauerregen zugenommen. Die Klimaprojektionen gehen jedoch Größtenteils von einem Rückgang und damit besseren Erntebedingungen aus.

Bei solchen Betrachtungen sollte allerdings immer berücksichtigt werden, dass ungünstige Erntebedingungen für Getreide in der Regel gut für den Aufwuchs von Mais und Zuckerrüben sind.

Trockenheit

Trotz des feuchten Sommers wird schnell vergessen, dass es eine recht trockene Phase im Frühjahr gab, die sich negativ auf das Pflanzenwachstum ausgewirkt hat. Die Trockenheit lässt sich am Besten in Form der Bodenfeuchte darstellen, da sie das für die Pflanzen zur Verfügung stehende Wasserangebot beschreibt. Für die Berechnung der Bodenfeuchte muss neben dem Niederschlag die reale Pflanzen- und Bodenverdunstung berücksichtigt werden. Eine Pflanze hat optimale Wachstumsbedingungen, wenn die Verdunstung nicht aufgrund von Wassermangel im Boden reduziert werden muss. Im Allgemeinen gelten Werte von 50 % des im Boden für die Pflanze verfügbaren Wassers (%nFK) als Grenze unter die die Bodenfeuchte möglichst nicht sinken sollte.

Normalerweise, wie auch in diesem Jahr, ist der Boden zum Jahresanfang gut mit Wasser gefüllt und sinkt erst ab April mit Einsetzen der Vegetation unterhalb von 100 %nFK. Mit Einsetzen des Schossens gegen Ende April verbraucht der Winterweizen mehr Wasser und die Bodenfeuchte sinkt allmählich ab. Mit Einsetzen des Ährenschiebens gegen Ende Mai bis zur Blüte ist der Wasserverbrauch des Winterweizens am höchsten, um dann wieder bis zur Gelbreife Mitte Juli abzufallen. Nachfolgend wird von der Pflanze so gut wie nichts mehr aktiv verdunstet. Die jetzt fallenden Niederschläge beeinflussen die Abreife und die Kornfeuchte. Nach der Ernte wird der Boden bis zum Winter langsam wieder aufgefüllt. Aus dem Bodenfeuchteverlauf des Jahres 2017 wird deutlich, dass bis Mitte Mai die Wasserverfügbarkeit im Boden durchschnittlich war. Bis Ende Juni fallen dann die Bodenfeuchtewerte stark auf unter 40 %nFK ab. Dies lässt darauf schließen, dass in dieser Zeit zu wenig Niederschlag gefallen ist.

Um zu bewerten, ob dieses Jahr ein besonderes Jahr war, wurde anhand der seit 1961 vollständig vorliegenden Stationen eine Auswertung mit Hilfe der phänologischen Daten durchgeführt. In einem Zeitfenster -5 Tage bis +14 Tage um das Ährenschieben des Winterweizens wurde die Bodenfeuchten aller Stationen jährlich ausgewertet und die Tage gezählt, an denen die Grenze von 50 %nFK unterschritten wurden. Das Ergebnis zeigt, dass das Jahr 2017 bezüglich der Trockenheit kein außergewöhnliches Jahr war, denn in den Jahren 2011 und 2015 wurden extremere Ereignisse beobachtet.

Wie das Jahr 2015 zeigt, muss ein trockenes Jahr nicht zwangsläufig zu einem Minderertrag bei der Ernte führen, sondern es spielen weitere Wetterfaktoren wie der Witterungsverlauf im Winter, Häufigkeit und Schwere von Hagelereignissen, Wind in Kombination mit Niederschlag sowie Wetterbedingungen zur Erntezeit eine zusätzliche Rolle.

Eine räumliche Verteilung der Trockenheit in 2017 um den Termin des Ährenschiebens von Winterweizen wird in Abbildung 6 gezeigt. Danach war Brandenburg im Jahr 2017 besonders stark von dem Wassermangel betroffen.

Quartalsrückblicke

Einen zusammenfassenden Überblick über den für das Ernteergebnis 2017 maßgeblichen Witterungsverlauf geben die Quartalsrückblicke des Deutschen Wetterdienstes.

Gekürzte Fassung; vollständiger Beitrag abrufbar unter: Limitierende Wettersituationen für die Landwirtschaft im Jahr 2017

Quelle: Deutscher Wetterdienst, Agrarmeteorologische Forschungsstelle Braunschweig;
Wolfgang Janssen, Cathleen Frühauf, Thomas Junghänel, J. Fildebrandt

Diese und weitere Abbildungen und Tabellen sind in der Broschüre Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung 2017 enthalten.